Unfallverhütung


Rechtliches

In Deutsch­land muss jeder Betrieb sei­ne Ange­stell­ten unfall­ver­si­chern. Durch Zusam­men­le­gun­gen in den letz­ten Jah­ren gibt es aktu­ell noch neun Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten. Die Leis­tun­gen der Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten umfas­sen: Heil­be­hand­lun­gen, Wie­der­her­stel­lung oder Erneue­rung von Hilfs­mit­teln, Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben, Ver­letz­ten­geld / Über­gangs­geld, Unfall­ren­te, Ster­be­geld, Ren­ten an Hin­ter­blie­be­ne.

Die Vor­aus­set­zun­gen zur Aner­ken­nung als Arbeits­un­fall hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt geklärt (Bun­des­so­zi­al­ge­richt 9.5.2006 –B 2 U 1/05 R):

Für einen Arbeits­un­fall ist nach §8 Abs.1 SGB VII in der Regel erfor­der­lich,

  • dass die Ver­rich­tung des Ver­si­cher­ten zur Zeit des Unfalls der ver­si­cher­ten Tätig­keit zuzu­rech­nen ist,
  •  dass die­se Ver­rich­tung zu dem zeit­lich begrenz­ten, von außen auf den  Kör­per ein­wir­ken­den Ereig­nis – dem Unfall­er­eig­nis – geführt hat (Unfall­kau­sa­li­tät)
    und
  • dass das Unfall­er­eig­nis einen Gesund­heits­scha­den oder den Tod des Ver­si­cher­ten ver­ur­sacht hat (haf­tungs­be­grün­den­de Kau­sa­li­tät).
  • Das Ent­ste­hen von län­ger andau­ern­den Unfall­fol­gen ist kei­ne Vor­aus­set­zung für die Aner­ken­nung eines Arbeits­un­falls, son­dern für die Gewäh­rung einer Ver­letz­ten­ren­te (haf­tungs­aus­fül­len­de Kau­sa­li­tät).

Arbeits­sun­fäl­le gefähr­den Leib und  Leben. Des­halb hat die Unfall­ver­hü­tung einen hohen Stel­len­wert im Arbeits­all­tag. Daher wird von Staat und Unfall­ver­si­che­run­gen vor­ge­schrie­ben (ASiG, DGUV 2), dass jeder Betrieb von einem Arzt für Arbeits­me­di­zin und einer Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit betreut wer­den muss, die dann den Arbeit­ge­ber bei der Unfall­prä­ven­ti­on fach­lich unter­stüt­zen sol­len. Der Betreu­ungs­um­fang rich­tet sich nach dem Gefah­ren­po­ten­ti­al. Betrie­be wer­den daher durch den WzCode2008 klas­si­fi­ziert. Die Betreu­ung wird in 3 Stu­fen unter­teilt und umfasst eine Grund­be­treu­ung und eine betriebs­spe­zi­fi­sche Betreu­ung. Das Berech­nungs­ver­fah­ren für die betriebs­spe­zi­fi­sche Betreu­ung umfasst 16 Hand­lungs­fel­der, die indi­vi­du­ell vom Arbeit­ge­ber unter Mit­hil­fe von Arbeits­me­di­zi­ner und FASI betrach­tet wer­den. Als Ergeb­nis wird dann eine ent­spre­chen­de Betreu­ungs­zeit ver­ein­bart. Die­ses Ver­fah­ren ist rela­tiv auf­wen­dig. Des­halb emp­feh­le ich hier den Hand­lungs­leit­fa­den der BGHM, der pri­mär nur bei der BGHM ange­wen­det wird, nach Rück­spra­che mit dem zustän­di­gen TAB der BG viel­leicht aber auch bei ande­ren Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten ange­wen­det wer­den darf.

Gefährdungsbeurteilung

Die Unfall­ra­te ist fast in jedem Unter­neh­men ein KPI (Key Perfor­mance Indi­ca­tor), da neben den mora­li­schen Grün­den auch wirt­schaft­li­che Grün­de (Aus­fall­ra­te mit Lohn­fort­zah­lung, Bei­trags­zu­schlä­ge durch Unfall­kos­ten) eine Rol­le spie­len. Unfall­be­güns­ti­gen­de Fak­to­ren sind: feh­len­de oder unzu­rei­chen­de Unter­wei­sung, feh­len­de prak­ti­sche Erfah­rung, Arbeits­druck, prä­dis­po­nie­ren­de Unfall­fak­to­ren (z.B. Stol­per­stel­len, feh­len­de Siche­rungs­ein­rich­tun­gen, Rutsch­ge­fahr etc.) und letzt­end­lich auch der Fak­tor Mensch aus den unter­schied­lichs­ten Grün­den.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt stell­te am 12. August 2008 fest:  „§ 5 Arb­SchG dient nicht in ers­ter Linie dazu, unmit­tel­ba­re Gesund­heits­ge­fah­ren zu ver­hü­ten. Durch die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung wer­den viel­mehr im Vor­feld Gefähr­dun­gen ermit­telt, denen gege­be­nen­falls durch ent­spre­chen­de Maß­nah­men zu begeg­nen ist“.

Die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ist ein her­vor­ra­gen­des Instru­ment, um in einer bestehen­den Unter­neh­mens­struk­tur die Gefähr­dun­gen zu beur­tei­len und zu bewer­ten, um dar­aus dann Schutz­maß­nah­men fest­zu­le­gen und durch­zu­füh­ren, die Wirk­sam­keit zu kon­trol­lie­ren und es letzt­end­lich zu doku­men­tie­ren.

 

Die Risi­ko­be­wer­tung gibt das Zeit­fens­ter für die Gefah­ren­ab­wehr vor.  Ein “rotes” Risi­ko ist unver­züg­lich zu besei­ti­gen. Bei einem “gel­ben” Risi­ko muss man abwä­gen und dann ent­schei­den, wo die Prio­ri­tä­ten lie­gen. Letzt­end­lich wird man es nicht schaf­fen, jedes Risi­ko völ­lig abzu­schaf­fen.

 

 

Verfahren bei Unfällen

Bei dem mel­de­pflich­ti­gen Arbeits­un­fall oder Wege­un­fall mit min­des­tens 3 Aus­fall­ta­gen muss eine Unfall­an­zei­ge an die BG erstellt. In vie­len gro­ßen Unter­neh­men wer­den intern die Unfäl­le schon ab einem Krank­heits­tag erfasst. Bagatell­un­fäl­le ohne Aus­fall­zeit wer­den in das Ver­band­buch ein­ge­tra­gen.

Arbeits­un­fäl­le kön­nen bis 7 Tage vom Haus­arzt behan­delt wer­den, wenn es zu kei­ner Arbeits­un­fä­hig­keit kommt. Bei einer Arbeits­un­fä­hig­keit und einem Behand­lungs­zeit­raum von mehr als einer Woche muss vom Ver­si­cher­ten ein Durch­gangs­arzt (D-Arzt) auf­ge­sucht wer­den. D-Ärz­te wer­den von der BG bestellt und sind letzt­end­lich die Fach­kom­pe­tenz der BG neben den BG Unfall­kli­ni­ken.

Unterweisungsmaterialien

Die Schwei­zer Fir­ma SUVA hat her­vor­ra­gen­de Fil­me zur ver­schie­de­nen The­men gedreht, die die Pro­ble­ma­tik mal von einer ganz ande­ren Sei­te her ange­hen. Ich kann die­se Fil­me für Unter­wei­sun­gen nur emp­feh­len — da geht es auch schon mal unter die Haut.

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