Sprechstunden


Sprechstunde

Täg­lich fin­den Regel­sprech­stun­den statt. Für Pas­sa­gie­re und Crew­mem­bers sind unter­schied­li­che Sprech­zei­ten fest­ge­legt. Pas­sa­gie­re und Crew­mem­bers mel­den sich an der Rezep­ti­on des Bord­hos­pi­tals an. Mit der Bord­kar­te wer­den die Per­so­nal­da­ten im HMS erfasst und die Per­so­nen in eine War­te­zim­mer­lis­te auf­ge­nom­men. Die­se War­te­lis­te sieht der Schiffs­arzt auf sei­nem Rech­ner und ruft die Pati­en­ten der Rei­he nach auf. Pati­en­ten, die zu Behand­lun­gen (Ver­band­wech­sel, Inha­la­tio­nen, phy­si­ka­li­sche The­ra­pie, Infu­sio­nen etc.) kom­men, über­nimmt direkt die Schwes­ter. Im Sprech­zim­mer wer­den die Pati­en­ten unter­sucht, je nach Bedarf kön­nen dann Unter­su­chun­gen wie Rönt­gen, Sono­gra­phie, EKG oder klei­ne­re ope­ra­ti­ve Ver­sor­gun­gen in den ent­spre­chen­den Räum­lich­kei­ten durch­ge­führt wer­den. Erfor­der­li­che Medi­ka­men­te gibt der Schiffs­arzt direkt aus der Bord­apo­the­ke an die Pati­en­ten wei­ter. Alle Leis­tun­gen — auch die Sach­leis­tun­gen wie Medi­ka­men­te, Ver­band­ma­te­ri­al, Schie­nen etc. — wer­den in das Doku­men­ta­ti­ons­sys­tem ein­ge­tra­gen und abge­rech­net.

Überweisungen

Soll­te man mit sei­nem Latein an Bord am Ende sein kann für die Pati­en­ten auch ein Fach­arzt­ter­min an Land (HNO, Der­ma­to­lo­gie, Uro­lo­gie, Zahn­arzt etc.) ver­ein­bart wer­den. Dafür gibt es in jedem Hafen einen Agen­ten, des­sen Kon­takt­da­ten bekannt sind und der dann die Pati­en­ten am Schiff abholt, zum Fach­arzt beglei­tet und wie­der an Bord zurück­bringt. Ter­mi­ne über den Agen­ten wer­den bei Pas­sa­gie­ren vom First Purser und bei Crew­mem­bers vom Crew Admi­nis­tra­tor bean­tragt. Der Schiffs­arzt stellt dann das Refer­ral — eine Art “Über­wei­sung” — in Eng­lisch aus, wo die Befun­de und die Fra­ge­stel­lung doku­men­tiert wer­den. Bei Rück­kehr bringt der Pati­ent einen Arzt­brief mit — wenn man Glück hat in gutem Eng­lisch, manch­mal schlech­tes Eng­lisch, manch­mal gar kein Eng­lisch. Dann sucht man unter der Crew jemand, der die­ser Spra­che mäch­tig ist und über­set­zen kann.

Disembarkation

Wenn der Pati­ent zu einem län­ge­ren Auf­ent­halt an Land blei­ben muss ist eine Aus­schif­fung erfor­der­lich. Auch hier wird wie­der der Agent bemüht. Bei Crew­mem­bers geht das erneut über den Crew Admi­nis­tra­tor, bei Pas­sa­gie­ren über das Bord­rei­se­bü­ro und eine Mit­tels­or­ga­ni­sa­ti­on — Med­Con (Sitz in der Schweiz). Bei Crew­mem­bers reicht ein Arzt­brief in Eng­lisch mit Dia­gno­sen und Befun­den. Bei Pas­sa­gie­ren wird neben dem Arzt­brief ein fünf­sei­ti­ges For­mu­lar von Med­Con aus­ge­füllt, da hier ja der Kon­takt zum jewei­li­gen Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rer bezüg­lich der Kos­ten­über­nah­me her­ge­stellt wer­den muss. Dann wird der Pati­ent in den meis­ten Fäl­len vom RTW abge­holt. Not­fall­si­tua­tio­nen beschrei­be ich an ent­spre­chen­der Stel­le.

Abrechnung

Bei Not­fäl­len mit Aus­schif­fung sofort und ansons­ten nach der täg­li­chen Abend­sprech­stun­de wer­den die Rech­nun­gen aus­ge­stellt. Abrech­nungs­grund­la­ge ist die Gebüh­ren­ord­nung für Ärz­te (GOÄ). Auf­grund der Vor­hal­tung eines Hos­pi­tals mit nahe­zu Kran­ken­haus­cha­rak­ter und den damit ver­bun­de­nen Vor­hal­te­kos­ten wird ein höhe­rer Gebüh­ren­satz als nor­mal ange­nom­men. Die Rech­nun­gen wer­den zum Hou­se­kee­ping gebracht, wo sie die Kabi­nen­ste­wards in die ent­spre­chen­den Kabi­nen ver­tei­len. Die Pati­en­ten beglei­chen die Rech­nung am letz­ten Tag an Bord. Sie gehen also in Vor­la­ge und erhal­ten das Geld nach Ein­rei­chung bei der Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung zurück — wenn sie ver­si­chert sind. Die gesetz­li­che Kran­ken­kas­sen und auch die pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­run­gen über­neh­men — wenn über­haupt — nur den in Deutsch­land übli­chen Anteil. Da immer was pas­sie­ren kann — egal wie alt man ist — ist ein Abschluss einer Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung essen­ti­ell. Die Kos­ten, auf denen man ohne Ver­si­che­rung sit­zen bleibt sind nicht gera­de Pea­nuts.

Deklarationen

Am Ende eines Tages wer­den fol­gen­de Lis­ten an einen defi­nier­ten Ver­tei­ler­kreis ver­schickt:

  • Sick-List: Lis­te aller Erkrank­ten an Bord — unter­schie­den nach Crew und PAX. Arbeits­un­fä­hig­keit und Iso­la­ti­on wird eben­falls ver­merkt.
  • Health decla­ra­ti­on: Die Health decla­ra­ti­on ist letzt­end­lich ein Aus­zug aus der Sick List, die für den Kapi­tän vor­be­rei­tet und von ihm und dem Seni­or Doc unter­schrie­ben wird. Sie muss für die Schiffs­frei­ga­be durch die jeweils ört­li­che Behör­de vor­ge­legt wer­den. Sie wird nur benö­tigt, wenn bis zur nächs­ten Frist in einem Hafen ange­legt wird, d.h. für See­ta­ge ist sie nicht erfor­der­lich
  • Nar­cotic Decla­ra­ti­on List: Hier sind die genau­en Men­gen aller BTM-Medi­k­am­te auf­zu­füh­ren, die in den jewei­li­gen Nar­cotic Safes oder den Not­fall­ta­schen lie­gen. Für die­se Lis­te gilt das glei­che Pro­ce­de­re wie für die Health decla­ra­ti­on
  • GI-Log: Der GI-Log wird am Ende jeden Tages — auch ohne Auf­zeich­nun­gen — an den Ver­tei­ler­kreis geschickt.

 

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